Die Sankt Sebastianus Bruderschaft 1484 ist seit ihrer Gründung eine katholische Gemeinschaft mit einer tiefen Verbundenheit zur Kirche. Diese enge Verbindung zeigt sich in vielerlei Hinsicht:
Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer zu Erkrath. Quelle: Wikipedia, Urheber: Frank Vincentz
Wahrscheinlich war es nur eine kleine Gemeinschaft von Christen, die sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entschloss, in Erkrath eine Kirche zu errichten. Der genaue Zeitpunkt des Baubeginns und der Weihe bleibt bis heute unbekannt, ebenso gibt es keine Hinweise auf einen möglichen Vorgängerbau. Doch warum entschied sich eine vergleichsweise kleine Gemeinde für den Bau einer so imposanten, dreischiffigen Pfeilerbasilika mit vier Gewölbejochen? Drei wesentliche Gründe lassen sich dafür anführen:
Diese zentrale Bedeutung als Ort des Gottesdienstes und der Gemeinschaft ist bis heute die wesentliche Funktion eines jeden Kirchengebäudes.
Lange Zeit wurde vermutet, dass die Kirche ursprünglich eine flache Decke hatte, die erst im 13. oder 14. Jahrhundert durch Kreuzrippengewölbe ersetzt wurde. Doch diese Annahme wird heute in Frage gestellt. Ein Gutachten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege aus dem Jahr 1987 kam zu dem Schluss, dass das westliche Gewölbe des nördlichen Seitenschiffs sowie die Mauerflucht des Obergadens im Mittelschiff bereits aus der Bauzeit im 12. Jahrhundert stammen. Der imposante Westturm hingegen wurde nach Einschätzung der Experten erst später hinzugefügt. Die zeitliche Verzögerung zwischen dem Bau des Langhauses und des Turms könnte finanzielle Gründe gehabt haben: Während das Langhaus durch den Inhaber des Patronatsrechts finanziert wurde, musste die Gemeinde selbst die Mittel für den Turm aufbringen.
Der Innenraum der Kirche hinterließ auf die damaligen Besucher einen ganz anderen Eindruck als heute. Das Fehlen von Bänken oder Stühlen ließ den Raum größer und eindrucksvoller wirken. Zudem waren alle Wände und Decken mit kunstvollen Malereien verziert, die biblische Szenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellten. Diese Bilder dienten nicht nur der Ausschmückung, sondern auch der Glaubensvermittlung für die meist des Lesens und Schreibens unkundigen Gläubigen. Da ein Erkrather Ritter namens Daniel um das Jahr 1200 an einem Kreuzzug teilnahm, liegt die Vermutung nahe, dass in der Kirche Reliquien aufbewahrt und verehrt wurden. Die dreischiffige Bauweise bot zudem ausreichend Platz für Prozessionen innerhalb des Gotteshauses.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige zerstörte Fenster von der in Erkrath lebenden Malerin Frau July künstlerisch neu gestaltet. Eines dieser Fenster zeigte die Gottesmutter mit sieben Schwestern – ein bewusster Bezug zur ältesten „Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariens“ in Erkrath. Leider wurden diese Fenster während der Sanierungs- und Neugestaltungsarbeiten in den Jahren 1954/1955 ohne Dokumentation entfernt.
Dass die Ritter von Haus Unterbach fast 500 Jahre lang (bis 1866) das Patronatsrecht über die Kirche innehatten, ist weithin bekannt. Dieses Recht umfasste die Ernennung des Pfarrers, Küsters und Lehrers in Erkrath sowie die Bestätigung der gewählten Mitglieder des Kirchenvorstands und des Rendanten. Zugleich war mit dem Patronatsrecht auch das Privileg verbunden, eine Begräbnisstätte innerhalb der Pfarrkirche nahe dem Hochaltar zu besitzen. Aus diesem Grund befand sich bis zum Umbau um 1900 an der Stelle des heutigen südlichen Querschiffs eine Kapelle mit den Grabstätten der Adelsfamilien. Die einfachen Bürger wurden hingegen auf dem Kirchhof rund um das Kirchengebäude bestattet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus der einst großen Kirche für eine kleine Gemeinde eine zu kleine Kirche für eine wachsende Gemeinschaft. Als Pfarrer Heinrich Pollhammer 1898 seinen Dienst antrat, beklagte er sowohl die Überfüllung der Kirche bei den Gottesdiensten als auch deren schlechten baulichen Zustand. Verschiedene Lösungen wurden diskutiert: ein kompletter Neubau oder eine Erweiterung der bestehenden Kirche. Aufgrund finanzieller Erwägungen und aus denkmalpflegerischer Sicht entschied man sich für die Erweiterung. Am 30. Juni 1901 legte Weihbischof Dr. A. Fischer den Grundstein für den Erweiterungsbau. Dafür mussten die Apsiden des Mittelschiffs und der Seitenschiffe abgerissen werden, um Platz für ein Querschiff mit Seitenkapellen (Tauf- und Sakramentskapelle), Osttürmen, eine Chorapsis und die Sakristei zu schaffen. Erstaunlich schnell wurde dieses umfangreiche Bauprojekt vollendet, und bereits am 27. Juli 1902 konnte der Neubau mit einem feierlichen Pontifikalamt eingeweiht werden.
Die Kirche erhielt nun die Form eines Kreuzes – ein kraftvolles Symbol des christlichen Glaubens.
Möge sie auch in Zukunft ein Ort sein, an dem sich die Gemeinde zur Feier der Liturgie versammelt und der zugleich all jene einlädt, die der christlichen Botschaft fernstehen.
Ursprüngliche Quelle: Otto Ries, Festschrift der St. Sebastianus Bruderschaft 1484 Erkrath e.V. zur Kreuzweihe am 14.09.2000; Text-Überarbeitung: 2025
Die katholische Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer beherbergt drei Glocken, die jeweils eine besondere historische und religiöse Bedeutung haben. Die größte und zugleich älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1454 und trägt eine Inschrift, die den Apostel Johannes um seinen Beistand bittet. Dies legt nahe, dass Johannes der Evangelist ursprünglich der erste Pfarrpatron der Kirche war.
Die kleinste der drei Glocken verweist auf die lange Tradition der Sankt Sebastianus Bruderschaft und wurde
im Jahr 1500 gegossen. Da die Bruderschaft urkundlich erstmals 1484 erwähnt wird, deutet dieses Datum darauf hin, dass sie tatsächlich in diesem Zeitraum gegründet wurde. Die Glocke trägt die eindrucksvolle Inschrift:
SEBASTIANUS HEISCHE ICH
ZU DESZEN BRUDERSCHAFT HÖRE ICH
ZU EHREN GOTTES LUDE MICH
RENOVATA ANNO MDCLXXVIII
ADOLPH BEITELS PASTOR
Diese Glocke wurde vermutlich von der Bruderschaft selbst gestiftet oder finanziell unterstützt, was die enge Verbindung zwischen Kirche und Bruderschaft unterstreicht.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Jahr 1942 zwei der Glocken – darunter auch die Sebastianus-Glocke – von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und zum Abtransport nach Hamburg gebracht. Ihr Schicksal schien besiegelt: Sie sollten eingeschmolzen und für die Kriegsindustrie verwendet werden.
Doch nach Kriegsende machte sich Pfarrer Dr. Mohnen auf die Suche nach den verschwundenen Glocken – mit Erfolg. 1947 entdeckte er sie auf einem sogenannten „Glockenfriedhof“ in Hamburg, wo zahlreiche Glocken aus deutschen Kirchen gelagert wurden, die den Krieg überstanden hatten. Mit großer Mühe organisierte er ihre Rückführung nach Erkrath.
Heimholung der Glocken 1947. Auf dem Bild: Günther Denker, Klaus Moess, Kaplan Nolden, Pfarrer Dr. Mohnen, Günther Schlechta. 2. von rechts: der "Schweizer" Herr Moritz.
Bild: Archiv Margret Becker-Adelskamp
Die Heimkehr der Glocken wurde zu einem denkwürdigen Ereignis für die ganze Gemeinde. Auf einem festlich geschmückten Heuwagen, bespannt mit sechs imposanten Kaltblutpferden, wurden sie feierlich von Haus Morp zur Kirche gebracht. Die Sankt Sebastianus Bruderschaft, insbesondere das Reitercorps, begleitete die Prozession in voller Festtracht. Der „Fahnenschmied“ des Reitercorps, Ludwig Weyer, hatte die ehrenvolle Aufgabe, den prächtigen Wagen durch die Straßen Erkraths zu lenken.
Die Rückkehr der Glocken wurde von der gesamten Erkrather Bevölkerung mit großer Anteilnahme begleitet – ein bewegendes Zeichen des Zusammenhalts, der Tradition und des tiefen Glaubens der Gemeinde.
Heimholung der Glocken: Die Glocken treffen auf dem Marktplatz in Erkrath ein. Quelle: Bildarchiv Horst Osmann
Autor: Horst Osmann
Die katholische Pfarrkirche „St. Johann Baptist“ ist unzweifelhaft eine städtebauliche Dominante im Ortskern von Alt-Erkrath, ein Wahrzeichen dieser „jungen Stadt auf historischem Boden“. Wuchtig und trutzig steht sie im Düsseltal auf der ersten hochwasserfreien Anhöhe inmitten des ehemaligen Kirchhofs. Seit 800 Jahren beherrscht das Gebäude an der Kreuz- und Kirchstraße das Ortsbild. Vor allem der massive, 45 Meter hoch aufragende Turm bildet von den umliegenden Höhen, wie auch aus der Nähe, einen markanten Blickfang.
Die Entstehung und Erstellung dieses architektonisch und kunsthistorisch bedeutenden Bauwerks ist allerdings genauso wenig konkret fassbar wie viele Ereignisse in der frühen und mittelalterlichen Geschichte Erkraths. Der Kunsthistoriker und Provinzialkonservator Paul Clemen hat 1894 die mögliche Entstehung „in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts“ angenommen (1). Eine zeitliche Zuordnung, die auch heute noch als richtig anerkannt wird. Die älteste Urkunde aus dem Jahre 1194, die Rückschlüsse auf die Existenz einer Pfarrkirche in Erkrath zulässt, scheint die stilkritisch begründete Datierung Clemens zu bestätigen. 1194 bis 1994 – ein Zeitraum von 800 Jahren mit großer Bedeutung für Erkraths Pfarrkirche, der einen geschichtlichen Rückblick rechtfertigt.
1194 verbriefte und besiegelte der seinerzeitige Abt des Stiftes Werden, Heribert, dass sich einer seiner Vorgänger, Abt Adolf, mit dem Kapitel des Stifters Kaiserswerth über die Aufteilung der Einkünfte seines Gutes in Hasselbeck geeinigt habe. Zeuge der Übereinkunft sei damals u.a. auch der Kaiserswerther Kanoniker „Lodewicus, Pastor der Kirche Erckeroide“ gewesen (2). Die Urkunde beschreibt also einen Vorgang, der schon einige Jahre zurücklag. Dieser wichtige Zeitraum lässt sich über die Amtszeiten der Werdener Äbte eingrenzen (3). Der erwähnte Abt Adolf amtierte von 1160 bis 1174. Zu seiner Zeit also gab es in Erkrath bereits eine Kirche, deren Pfarrer der erwähnte Lodewicus war.
Diese Feststellung findet ihre Bestätigung im sogenannten „Liber Valoris“, einem Steuerverzeichnis der erzbischöflichen Diözesanverwaltung, in dem die geschätzten Einkommen sowie die daraus resultierenden Abgaben der einzelnen Ortsgeistlichen erfasst wurden. Eine Reihe von Anzeichen spricht dafür, dass der „Liber Valoris“ in seiner Urschrift vor 1197, möglicherweise auch schon vor 1109 aufgestellt wurde. Der Pfarrer von „Erckeroide“ sowie sein Stellvertreter werden unter der laufenden Nummer 41 des Dekanats Neuss aufgeführt (4).
Ein weiteres Indiz für das Alter der Kirche ist das Patrozinium. In mehreren Urkunden der Jahre 1470, 1499 und 1520 ist eindeutig von der Kirche „Sankt Johann Evangelist in Erckraide“ die Rede (5). Die Forschung ist zu der Erkenntnis gelangt, dass dieses Patrozinium überwiegend den Kirchengründungen des Spätmittelalters zuzuordnen ist. Damit schließt sich der Kreis und alle Vermutungen zum Alter der Kirche erhalten ein solides Fundament.
Aber gerade das Patrozinium bereitet auch Probleme. Heute trägt die Pfarrkirche in Erkrath den Namen „Johannes der Täufer“. Dieser Namenspatron erscheint überwiegend bei sogenannten Taufkirchen aus frühchristlich-suitbertinischer Zeit. In der Vergangenheit wie in jüngster Zeit hat man allein diese Tatsache immer wieder dazu benutzt, das Alter der Kirche bis ins 9. Jahrhundert hinauszuschieben. Die oben angeführten Urkunden aber sprechen eine eindeutige Sprache. Selbst die älteste Glocke der Kirche aus dem Jahre 1454 nennt als Patron den Apostel Johannes.
Als Lösungsansatz ist ein Wechsel des Patroziniums in unbekannter Zeit denkbar. Obwohl die Urkunden und Akten nichts davon berichten, muss als gesichert gelten, dass ein solcher Vorgang stattgefunden hat. In den Wirren des 30jährigen Krieges könnte die Kirche geschändet worden sein, sodass eine Neuweihe notwendig wurde. Gerade aus jenen Jahrzehnten fehlen alle schriftlichen Quellen. 1705 erwarb man aus einer Stiftung eine sogenannte „Johannesschüssel“ für den Erkrather Kirchschatz. Das ist der älteste Hinweis auf das heute bestehende Patrozinium.
Im offiziellen Kirchenführer heißt es: „Der heutige Kernbau (Westturm und Langhaus) scheint eine Gründung des nahen Gerresheimer Stiftes zu sein. Dieses hatte im 13. Jahrhundert das Patronat inne.“ (6). Die bekannten schriftlichen Quellen geben keine Auskunft darüber, wer für Gründung und Bau der Erkrather Pfarrkirche den entscheidenden Anstoß gab. Das Stift Gerresheim besaß Rechte über die Kirchen zu Linz, Meiderich, Mintard, Pier und Sonnborn (7).
Nirgendwo ist überliefert, dass das Patronat über die Pfarrkirche jemals von Gerresheim in Anspruch genommen wurde.
Aus den Jahren 1194 (bzw. 1160 – 1174) bis 1494 sind nur sechs Erkrather Pfarrer urkundlich nachweisbar (5). Drei von ihnen besaßen gleichzeitig ein Kanonikat am Stift Kaiserswerth. Über vergleichbare enge Beziehungen zum Stift Gerresheim ist nichts bekannt.
Viele der alten Kirchen und Pfarrorte rund um Kaiserswerth führen ihren Ursprung der Überlieferung nach auf Suitbertus zurück, den Gründer des Stiftes. Für Erkrath kann diese Möglichkeit aber nicht zutreffen. Suitbertus verstarb schon 713 in Kaiserswerth. Damals hat der aus einem Einzelhof hervorgegangene Ort Erkrath sicherlich noch nicht existiert. Schon seit Jahrzehnten werden Zweifel an den nur sagenhaft überlieferten Kirchengründungen durch den hl. Suitbert geäußert (8). In neuerer Zeit finden sich immer mehr Argumente dafür, dass die Kölner Erzbischöfe das naheliegende Niederbergische Land als ihr Einflussgebiet betrachteten und viele Anstöße zum Neubau von Pfarrkirchen von dort ausgingen. So waren die Kirchen in Hilden, Haan und Hubbelrath Eigenkirchen des Erzbischofs von Köln.
Viele Pfarreien in der Nachbarschaft von Erkrath haben wahrscheinlich gerade in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine neue, massive Kirche aus Stein errichtet. Nach Wisplinghoff sind die Kirchengebäude in Bilk, Benrath, Heerdt, Himmelgeist, Hubbelrath, Itter, Kalkum, Mündelheim und Wittlaer in jener Zeit entstanden. Ursache dafür wird das Bevölkerungswachstum jener Jahrzehnte gewesen sein. Inwieweit die Patronats- und Zehntherren beim Bau der Kirchen materielle Hilfe leisteten, ist nicht bekannt (9).
Die Patronatsrechte an der Pfarrkirche zu Erkrath hatten die jeweiligen Besitzer des Hauses Unterbach inne. Das bezeugt ein Vertrag des Jahres 1461. Die Eheleute Konrad von Elverfeld und Irmgard Quad sowie ihr Sohn Wilhelm von Elverfeld und dessen Ehefrau als Verkäufer und Adolf Quad von Rade als Käufer beurkunden darin den Verkauf des „freien Hofes zu Unterbach, genannt der Fronhof, mit dem Gütchen Auf dem Gaten zu Feldhaus und mit Burghaus, Zugbrücke, Bauten, Häusern, Scheuenen und allem sonstigen Gemäuer, mit Bauernhof, Kapelle, Ackerland, Büschen, Feldern, Wiesen, Weihern, Fischereirechten, Gehölzen, Zinsen, Pachteinnahmen und allen Zehnten, mit Gericht, Lehnsleuten, Sterbe- und Erbfallgebühren sowie mit dem Lehnsrecht an der Kirchspielskirche zu Erkeradt, deren Präsentation stets erblich dem Hof zu Unterbach zustand (10).“ Das Patronatsrecht des Hauses Unterbach erlosch erst im Jahre 1866.
Im 1986 erschienenen Heimatbuch „Erkrath“ heißt es: „Die Johanneskirche war Eigenkirche der Herren von Unterbach.“ Aus den oben geschilderten Zusammenhängen konnte man diese Vermutung ableiten. Sogenannte Eigenkirchen wurden von einem weltlichen Grundherrn auf seinem Eigentum unter maßgeblicher Beteiligung an der Finanzierung des Bauwerks und der weiteren materiellen Ausstattung zum Unterhalt von Gebäude, Personal und Gerätschaften errichtet. Das würde bedeuten, dass Grund und Boden rund um die Kirche den Herren von Unterbach zu eigen gewesen sein müssten. Ob es so gewesen ist, darf bezweifelt werden.
Die Herren von Elverfeld aber, die ihren Besitz und damit auch das Patronatsrecht an der Pfarrkirche verkauften, stammten aus dem Kölner Stadtadel. Ihre Vorfahren und Verwandten waren Ministerialen und Lehnsleute der Kölner Erzbischöfe, seit 1169 auch Verwalter der nahegelegenen erzbischöflichen Güter in Hilden. Wie die Herren von Elverfeld in den Genuss der Patronats- und Zehntrechte gekommen sein könnten, dokumentieren unzählige Beispiele in der Geschichte. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang aber der deutliche Hinweis auf mögliche Verbindungen zum Kölner Erzbistum als ursprünglichem Inhaber dieser Rechte.
Dafür, dass zumindest bei der Unterhaltung des Kirchengebäudes die Inhaber des Hauses Unterbach als jeweilige Zehntherren ihren Beitrag geleistet haben, liegt ein urkundlicher Nachweis vor. Am 10. August 1509 erklärte Adolf Quad von Rade zu Unterbach, dass er als „Erbe und Inhaber des Zehnten im und beim Kirchspiel Erkrath das Schiff der Erkrather Kirche stets in Bau und Dach gehalten und eben jetzt das Dach auf seine Kosten und ohne Beteiligung des Kirchenspiels habe erneuern und decken lassen“. Nach seinem Willen sollten auch alle künftigen Besitzer des Hauses Unterbach dieser Verpflichtung als Zehntherren nachkommen (5).
Hier wird ersichtlich, welche Bedeutung der Zehnte hatte und wozu er ursprünglich erhoben wurde. Der Zehnte war die Kirchensteuer des Mittelalters. Von Karl dem Großen eingeführt, stand er zunächst ausschließlich der Kirche zu und diente dem Bau und Unterhalt von Gotteshäusern sowie zur Bezahlung der Priester. Seit jener Zeit kannte man auch die Dreiteilung der Baulastpflicht: der Zehntherr war für Bau und Unterhalt des Kirchenschiffes verantwortlich, der Pfarrer für den Chor und die Gemeinde für den Turm (11). Durch die oben zitierte Urkunde wird diese Aufteilung auch für Erkrath indirekt bestätigt.
Bei vordergründiger Wertung mögen die hier zusammengetragenen Fakten von untergeordnetem Interesse sein. Die Pfarrkirche hat aber nicht nur ihre Bedeutung als Bauwerk. Sie ist seit mehr 800 Jahren Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in Erkrath und damals wie heute Symbol für eine lebendige Pfarrgemeinde. Gleichzeitig ist sie für die junge Stadt Erkrath der Schlüssel zu den möglichen Ursprüngen und zur ältesten Geschichte des Ortes.
Bis in die jüngste Zeit hinein wurde in der „offiziellen Stadtgeschichtschreibung“ das angeblich so hohe Alter der Pfarrkirche dazu benutzt, den Ursprung des Ortes im 8. und 9. Jahrhundert zu suchen. Bei umfangreichen Sanierungsarbeiten an den Fundamenten der Kirche im Jahre 1954 will man festgestellt haben, dass die Erkrather Johanneskirche keinen Vorgängerbau besessen hat. Wenn auch diese Aussage nicht auf archäologisch gesicherten Erkenntnissen basiert, so ergibt sich daraus im Zusammenhang mit der urkundlichen Überlieferung und der kunsthistorischen Beurteilung eine fast lückenlose Indizienkette zur Baugeschichte. Demnach dürfte die Pfarrkirche als erstes Gotteshaus in Erkrath am heutigen Standort in den Jahrzehnten zwischen 1100 und 1160 erbaut worden sein. Für die Ortsgeschichte kann man daraus ableiten, dass die Rodung im Düsseltal, aus der Erkrath entstanden ist, möglicherweise erst im 11., vermutlich aber nicht vor dem 10. Jahrhundert angelegt wurde.
Literatur:
(1) P. Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. III, S. 89/90
(2) Th. J. Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. IV, Nr. 641
(3) ZBGV, Register Bd. 1-30, S. 544
(4) F. W. Oedinger, Der Liber Valoris
(5) Stadtarchiv Erkrath, Bestands-Nr. 679
(6) Schnell Kunstführer Nr. 1586, Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist Erkrath
(7) H. Weidenhaupt, Das Kanonissenstift Gerresheim, in: DJB 46/1954, S. 93 ff
(8) F. W. Oedinger, Die bischöflichen Pfarrkirchen des Erzbistums Köln, in: DJB 48/1956, S. 12 ff
(9) E. Wisplinghoff, Vom Mittelalter bis zum Ende des Jülich-Klever Erbstreits, in: Düsseldorf, Geschichte, Bd. I, S. 170
(10) Bayrische Staatsbibliothek München, Slg. Redinghoven, Cod. Germ. 2213, Bd. 13, Bl. 201 ff
(11) J.B. Mennicken, Der Baulastpflichtige an Kirchtürmen nach jülich-bergischem Recht, in: ZBGV 83/1967, S. 63 ff.
© Sankt Sebastianus Bruderschaft 1484 Erkrath e.V.
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